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G Berlin-Fahrt der Klasse 11b
11.05.2009 20.05 Uhr


Das ist die Berliner Luft, Luft, Luft....

Dienstag nach Ostern. 14. April 2009. 4.50 Uhr morgens. Oder nachts. Auf jeden Fall FRÜH.

Ganz Aschaffenburg schläft. Ganz Aschaffenburg? Nein, eine kleine Gruppe unbändiger 11.-Klässler und ihre Betreuer treffen sich am Bahnhof, um dem Schlaf Widerstand zu leisten. Mit Erfolg.

Und vor allem mit einem gemeinsamen Ziel: Es galt die Hauptstadt zu bewundern. Das politische (Epi)Zentrum, der (historische) Ausgangspunkt vieler Geschehnisse, der (post-Weltkriegs-) Brennpunkt der Ereignisse, der (kulturelle) Mittelpunkt dieses Landes.

Die folgenden Berichte wurden (zum größten Teil) von Schülerinnen und Schülern der 11b verfasst und liefern in chronologischer Reihenfolge einen recht guten Eindruck unserer Erlebnisse. Der gesamte Bericht ist auf unserer Homepage zu finden.

Dienstag, 14. April

Zum Auftakt unserer Berlinfahrt, aber vor allem auch zum Entspannen nach der langen Zugfahrt, genossen wir das schöne Wetter bei einer Schifffahrt auf der Spree. Die ersten Sehenswürdigkeiten bestanden aus dem Fernsehturm, auch Alex genannt, und der Museumsinsel mit dem Alten Museum, dem Pergamon-Museum und dem Bode-Museum an der Spitze. Weiter ging es mit dem evangelischen Dom und seiner 74m hohen Kuppel. Danach fuhren wir vorbei am Roten Rathaus und dem Nikolai-Viertel mit der ältesten Kirche Berlins, der Nikolaikirche. Kurz bevor das Viertel endet, passierten wir noch die Mühlendamm-Brücke, die älteste Brücke Berlins. Insgesamt gibt es in Berlin 56 Brücken. Die zweite Hälfte der Fahrt führte vorbei am Reichstag und dem Paul-Löbe-Haus mit dem eigens für die Kinder der Abgeordneten gebauten Kindergarten. Danach ging es nur noch am Bundeskanzleramt und an der Siegessäule vorbei. Die eine Stunde ging wahrscheinlich für die meisten von uns viel zu schnell vorbei.

Mareike Karpf, Elise Masuch, Monique Schunder

 

Am ersten Tag kurz nach unserer Bootsfahrt besuchten wir den Reichstag. Der Reichstag ist seit 1999 Sitz des Deutschen Bundestages. Zunächst einmal besichtigten wir den Plenarsaal, wobei die Sitze in Reichstags-Blue besonders ins Auge stachen. Ebenfalls im Plenarsaal wurden wir von einem netten Herren über die Konstruktion und über einige geschichtliche Daten bezüglich des Reichstages aufgeklärt. Hierbei ist das integrierte Energiekonzept hervorzuheben, welches dafür sorgt, dass die Sonnenstrahlen in Energie umgewandelt werden, welche zum Beheizen des Bodens genutzt werden oder wahlweise in Tanks unter dem Reichstag gespeichert werden kann. Der Adler, welcher sich hinter dem Rednerpult befindet, wurde durch die Kuppel eingelassen. Nach der anfänglichen Besichtigung des Plenarsaals diskutierten wir kurz mit einem Mitarbeiter von Herrn Geis. Anschließend fuhren wir auf den Reichstag, um die Kuppel zu begehen und die Aussicht über Berlin zu genießen.

Fynn Zillmer

 

Mittwoch, 15. April

Am Morgen besuchen wir das Staatsgefängnis Hohenschönhausen der DDR in Ostberlin. Nach längerem Warten starten wir unseren Rundgang unter der Führung eines älteren Herrn. Er erzählte uns zunächst, dass das Gefängnis zwischen 1945 und 1946 als Internierungslager der Armee diente. Mit der Übergabe des Gefängnisses an die DDR 1950 begann eine Zeit von Demütigung und Folter bis hin zum Mord an unschuldigen Personen. Zu den Gefangenen zählten größtenteils einzelne Personen die sich kritisch über die Regierung geäußert hatten. Sie bekamen keine Gerichtsverfahren und mussten dort Hunger leiden und Kälte (vor allem während des harten Winters 1945/46) über sich ergehen lassen. Der erste Teil unsrer Besichtigung begann im Keller des Gefängnisses, welcher auch „U-Boot" genannt wurde. Es war wohl das schlimmste für einen Inhaftierten, dort unten seine Strafe abzusitzen, da dort keine Fenster, also kein Tageslicht, sowie sanitäre Anlagen vorhanden  waren. Man musste sich dort zum Beispiel mit einem Feuerwehrschlauch abduschen lassen und sich danach mit seiner eigenen Kleidung, die man während der ganzen Gefangenenzeit tragen musste, abtrocknen. Mit diesen Mitteln oder auch der Wasserzelle, der Stehzelle oder der Gummizelle, die die Gefangenen manchmal gar in den Tod trieben, wollte man die Inhaftierten zum Geständnis zwingen. Zu den Insassen der Zellen gehörten sogar ein 14jähriges Mädchen (man war schon mit 12 Jahren haftfähig) sowie der Justizminister der DDR. Das Kellergefängnis wurde 1961 glücklicherweise geschlossen, was aber den Gefangenen Folter und Demütigung noch lange nicht ersparte.

Da niemand im Umkreis des Gefängnisses von dessen Existenz erfahren durfte, waren die 1,5 Quadratkilometer um das Staatsgefängnis herum abgesperrt und die Gefangen wurden mit einem meist als Lebensmitteltransporter getarnten Wagen, den wir ebenfalls kurz besichtigen durften, in das Zellengebäude gebracht. Von dort an hatte der neue Gefangene einen festgelegten Weg bis zu seiner Zelle. Diesen Weg gingen nun auch wir, wobei man natürlich nicht ganz nachempfinden kann, was ein unschuldiger Gefangener damals fühlen musste. Man wurde komplett von seinen Mitinhaftierten isoliert, sodass man ein Gefühl von Einsamkeit verspürte. Man bekam Anstaltskleidung angelegt, die einem entweder viel zu groß oder viel zu klein war, und musste alles abgeben, was man noch besaß. Ein Glück für viele Gefangene war, dass die BRD Gefangene von der DDR freikaufen wollte und das auch ca. 34.000 mal in die Tat umsetzte und dafür 3.5 Milliarden Mark an die DDR bezahlte. Unser Führer überraschte uns alle damit, dass er uns verriet, selber mal einer dieser Freigekauften gewesen zu sein und dass er somit selbst mal in diesem Gefängnis in Haft saß.

Es gäbe noch viel mehr von diesem wirklich interessanten Gefängnis, in dem sehr viel Geschichte steckt, zu erzählen, doch dafür sollte wohl jeder selbst einmal dort vorbeischauen.  

Martin Thoma, Subhan Waizi, Thomas Will

 

Nachmittags trafen wir uns auf dem ehemaligen Geisterbahnhof in der Bernauer Straße. Die U-Bahnstation Bernauer Straße war während der DDR-Zeit ein „Geisterbahnhof, wurde also nicht benutzt, sondern bildete die Grenze.

Nach einer kurzen Einführung in die historischen Hintergründe des Mauerbaus im Jahr 1961, erzählte die Führerin über die Fluchtversuche aus Ostberlin in den Westen, unter anderem am Beispiel von Olga Segler, welche beim Sprung aus einem Haus in der Bernauer Straße in den West-Teil der Stadt hinein starb. Dieser Sprung war deshalb möglich, weil mit der Häuserfront die sowjetische Besatzungszone endete. Nach einer kurzen Führung kamen wir an die Versöhnungskappelle und gingen anschließend zu der U-Bahnstation zurück, um einen letzten Stopp am Brandenburger Tor zu machen.

Nun weitere Auswirkungen der Mauer auf die Anwohner:

Zunächst einmal ist auf die Bewachung zu verweisen, welche die Menschen psychologisch stark beeinflusst und diese in ständige Unsicherheit gewogen hat. Ein weiterer Punkt war die Zerschlagung von Familien, die durch die Mauer getrennt wurden. Hinzu kam die Verzweiflung, die die Menschen zu Handlungen getrieben hat, die entweder ihre Fähigkeiten überstiegen oder die sie in einer „Normalsituation" nicht getan hätten. Das beste Beispiel hierfür ist Olga Segler, die den Fluchtversuch mit ihrem Leben bezahlte, oder der berühmte Soldat, der über die (noch junge) Grenze sprang, obgleich er den Sowjets verpflichtet war - allerdings nahm er sich später das Leben, da er dem Druck, der von den Medien ausgeübt wurde, nicht stand hielt. Auch die Menschen auf der Westseite Berlins wurden zu kriminellen Handlungen getrieben, wie z.B. dem illegalen Tunnelbau. Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass der Mauerbau das Leben an sich sowohl in West- als auch in Ostberlin stark negativ beeinflusst hat.

Matthäus Pissulla, Julius Stoll, Nielson Ullmann


Donnerstag, 16. April

Morgens stand eine Begehung der Straße „Unter den Linden" auf dem Programm, welches zum größten Teil von den Schülerinnen und Schülern selber durchgeführt wurde. Dabei ging es um die architektonische Ausgestaltung des preußischen Berlins unter der Fragestellung: „Braucht es am Ende der „Linden" ein (wiederaufgebautes) Stadtschloss wie früher?"

Wir fingen an mit einem Besuch im Hof der Humboldt-Universität über die uns Sabrina etwas erzählt hat. Dann schauten wir uns mit einem Schwerpunkt auf die Architektur des Berliner Architekten Schinkel die Bauten links und rechts der Linden an. Das stille Mahnmal zur Bücherverbrennung am Bebelplatz war genauso ein Thema wie die Statue Friedrich des Großen oder das neoklassizistische Gebäude der russischen Botschaft. Am Hotel Adlon erhielten wir von Philipp einen kleinen historischen Abriss über das Gebäude, welches nach der Wende (fast 100% originalgetreu) wiederaufgebaut wurde. Michelle berichtete uns dann über die Erlebnisse rund um das Brandenburger Tor und die auf ihr thronende Quadriga, bevor wir natürlich ein Klassenfoto mit diesem geschichtsträchtigen Hintergrund machten. Kurz bevor wir dann wieder „in den Westen" gekommen wären, beschrieb uns Insa dann die Siegessäule, die von den Berlinern ja auch gerne „Goldelse" genannt wird und nicht erst im Rahmen der Loveparade eine historische Bedeutung hatte. Bevor wir uns dann nachmittags zur Besichtigung der Museumsinsel mit Altem Museum und/oder Pergamon-Museum trafen verstreute sich die ganze Gruppe in der Stadt, wobei einige die Stille des Hotel Adlons sowie die dortigen Köstlichkeiten genossen.

Thorsten Schaeben

 

Im Anschluss an den Besuch des Alten Museums besuchten einige Schüler noch das Pergamonmuseum. Dort stießen wir zunächst auf den Pergamonaltar. aus dem 2. Jahrhundert v. Chr., welcher sehr imposant und beeindruckend wirkt. Im nächsten Saal konnten wir dann weitere griechische Bauwerke bewundern. Anschließend besuchten wir eine Ausstellung über Götter in der viele verschiedene restaurierte Götterstatuen zu sehen waren. Herr Schaben gab uns eine kurze Einführung in die Welt der römischen und griechischen Götter und im Anschluss sahen wir uns weiter im gesamten Museum um. Ein weiterer Höhepunkt des Besuchs waren die Rekonstruktionen der Prachtbauten Babylons wie zum Beispiel das Ischtar-Tor oder die Thronsaalfassade des Königs Nebukadnezar 2. Insgesamt war der Besuch des Museums sehr interessant und man hat einen guten Eindruck über die Architektur der Antike und die Welt der Götter bekommen.

Franziska Ersfeld

 

Nach dem Rundgang auf der Museumsinsel beschlossen wir in einer Kleingruppe die Helmut-Newton-Stiftung zu besuchen, in der viele seiner Werke und Fotografien ausgestellt sind. Bei Helmut Newton handelt es sich um einen berühmten Modefotograf der 50er und 60er Jahre, der hauptsächlich Covers, Aufmacher und Fotoserien für Modezeitschriften ausarbeitete. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht durch Provokation die damalige, sehr konservative Gesellschaft aufzurütteln, weswegen man ihn oft scharf kritisierte. Dies bewirkte er durch zahlreiche Fotografien leicht- oder nichtbekleideter weiblicher Models und durch ironisch, sarkastische Bilder, in denen zum Beispiel ein zahmes Äffchen King Kong gegenübergestellt wird.

Weiterhin befand sich eine Nachbildung seines Arbeitszimmers und einige Originale seiner Kameras im Museum der Stiftung.

Helmut Newton (* 31. Oktober 1920 in Berlin; † 23. Januar 2004 in Los Angeles; ursprünglich Helmut Neustädter) war ein australischer Fotograf deutscher und jüdischer Herkunft.

Katharina Miller und Florian Langhanki

 

Am Abend besuchten dann einige Schülerinnen und Schüler zusammen mit den Begleitpersonen im Theater des Westens das Musical Der Schuh des Manitu, welches auf dem gleichnamigen Film von Bully Herbig basiert.

Bereits nach wenigen Minuten war uns allen klar, dass dies ein sehr lustiger Abend werden würde. Die Musical-Adaption beinhaltet zwar viele der aus dem Film gewohnten Pointen und Szenen, bietet aber immer noch ein gewisses Augenzwinkern und neue Einblicke in das Geschehen. Dadurch werden die Drehungen und Wendungen des Filmes teilweise besser erklärt als bei Bully selber.

Aber natürlich durften manche Gags einfach nicht fehlen, so z.B. die berühmte „I bin mit der G'samtsituation unzufrieden. Jeden zweiten Tag sa'mir irgendwo gefesselt." Der überdrehte Humor und die Selbstironie, mit welcher hier sowohl die Vorlage als auch das Musical-Genre durch den Kakao gezogen werden, sprüht nur so vor Charme.

Manche nahmen von diesem Besuch auch DEN Song unserer Fahrt mit nach Hause. Wer könnte die wunderbare Gesangseinlage von Elise, Mareike, Monique, Matthäus und Stefan auf dem Heimweg schon vergessen? Allesamt sangen sie beschwingt Dimitris Ohrwurm: „Ich trinke Ouzo und was trinkst du so? / Ich trinke Ouzo und du trinkst mit / und beim Syrtaki, nach dem Souvlaki / kannst du mit Ouzo jeden Schritt"

Thorsten Schaeben


Freitag, 17. April

Am vierten Tag unserer Berlinfahrt gingen wir um 9.30 Uhr los zum Deutschen Historischen Museum an der Straße „Unter den Linden". Nach unserer Ankunft wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt. Uns wurde erzählt, dass wir uns im ehemaligen Zeughaus befinden, dass 1695 unter Friedrich dem Dritten gebaut wurde und den Preußen als Waffenarsenal diente. Da es während der Mauer-Ära im Osten stand, diente es später als Museum der DDR. Stolz berichtete der Guide, wie groß die ständige Ausstellung über die deutsche Geschichte ist, die wir im Anschluss besichtigen durften, obgleich man die 8000 Exponate, die auf 8000 Quadratmetern Ausstellungsfläche verteilt sind, unmöglich alle anschauen kann. Also wurde der Schwerpunkt auf die Folgen des zweiten Weltkrieges und die DDR gelegt. Der Guide gab uns wichtige Hintergrundinformationen und Wissenswertes über die Situation damals. Nach der Führung durften wir noch 1 Stunde alleine die anderen Ausstellungen besichtigen. Insgesamt hat es sich wirklich gelohnt in das DHM zu gehen, weil es einem neue Einblicke in die deutsche Vergangenheit gewährt.  

Stefan Brand, Marcel Buchholz, Tim Seeland

 

Am letzten Abend gingen wir zusammen ins Kabarett „Distel" in das neue Bühnenprogramm „Jenseits von Angela". Das Stück handelte davon, dass die Kanzlerin verschwunden ist und auf ihrem Schreibtisch ein Abschiedsbrief mit den Worten „Bin weg" gefunden wird. Nun muss in kurzer zeit schnell Ersatz gesucht werden. Man braucht einen Kandidaten der unverbraucht, volksnah und unvorbelastet ist. Alle sind ratlos, bis auf zwei Referenten im Praktikum, die in letzter Minute die rettende Idee haben, nämlich den Kandidaten im Publikum zu suchen. Prompt haben sie den richtigen Kandidaten, der sich aber nur mit Mühe überreden lässt, den Job zu übernehmen. Die Handlung ist angereichert mit allerlei Sketchen und Liedern und bietet für jeden etwas. Allerdings werden sich Leute, die weniger politikinteressiert sind, an manchen Stellen langweilen, da die Witze für sie nicht ganz nachvollziehbar sind. Alles in Allem hat uns das Stück gut gefallen und es war ein gelungener Abschluss für unsere Fahrt.

Miriam Baumann und Annemarie Fries

 

Als kurzes Resümee bleibt von Betreuerseite aus nur zu sagen, dass es sich mehr als gelohnt hat, mit der Klasse 11b einen Teil der Osterferien zu verbringen, um unsere Hauptstadt im Licht der Geschichte zu betrachten - egal aus welcher historischen Ecke dieses Licht nun kam. Wir würden es immer wieder gern so tun!

Tatjana und Thorsten Schaeben


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