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Schultheater Ernst sein ist alles
03.10.2008 22.46 Uhr


„Du redest doch immer nur Unsinn!"

Am vergangenen Montag, den 29. und Dienstag, den 30.09.2008 führte die Schulspielgruppe des Kronberg-Gymnasiums unter Leitung von Frau Zrenner den Klassiker „Ernst sein ist alles" (Originaltitel: „The Importance of Being Earnest") von Oscar Wilde auf.

Das Stück erwies sich als sehr gut gewählte Vorlage für unsere jungen Schauspielerinnen und Schauspieler, weil man in der Lage war, jeden einzelnen Charakter durch das eigene Ensemble ausgezeichnet zu besetzen. So zeigte sich jeder Darsteller und jede Rolle von der besten Seite. Auch wenn diese Seite nicht immer diejenige war, welche die Öffentlichkeit innerhalb des Stücks sehen sollte.

Die beiden Hauptfiguren Algernon „Algie" Moncrief und John Worthing sind englische Gentlemen des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Während Algie sich seinem Dandytum hingibt und zu allem einen passenden Kommentar abgibt, quittiert John dies stets mit „Du redest doch immer nur Unsinn!" John selber ist auf Brautschau und seine Auserwählte ist die junge Cousine Algies, Gwendolen Fairfax. Dummerweise nur gibt er sich in der Londoner Gesellschaft immer als Ernst Worthing aus, und genau in diesen Vornamen hat sich Miss Fairfax mindestens genauso sehr verliebt wie in John selber. Gwendolen will unbedingt einen Mann heiraten, dessen Vorname bereits eine gehörige Portion Ernsthaftigkeit beinhaltet. Doch ihre Mutter ist strikt gegen eine Heirat mit John und deshalb zieht dieser sich auf seinen Landsitz zurück.

Aber auch Algie hat seine „Schattenseite": Um nicht stets Gwendolens Mutter, Lady Bracknell, zu Diensten sein zu müssen, hat er einen sehr kranken Freund namens Bunbury erfunden. Zu diesem reist er immer, um sich vor seiner Erbtante zu verstecken; diesen Vorgang der Vorspiegelung kleiner „Notlügen" nennt Algie dann „Bunburisieren". Als er aber von Johns kleiner Cousine Cecily hört, keimt auch in Algie der Wunsch nach einem festen Bezugspunkt abseits von Dandytum und Ausflüchten aufs Land zu Bunbury.

Im Laufe des Stücks verstricken sich dann beide Hauptcharaktere immer weiter im Netz von Bunburisieren, Verlieben und Verzagen.

Beide Abende standen somit im Zeichen des feinen, hintersinnigen Humors, für den die Stücke Oscar Wildes bekannt sind. Gerade diese tiefen humoristischen Nuancen fordern von Schauspielern seit mehr als 110 Jahren die gesamte Palette von Genauigkeit, klarer Betonung und mimischem Geschick. Doch die jungen Akteure des Kronberg-Gymnasiums boten an beiden Abenden eine astreine Leistung und brachten das Publikum somit mehr als einmal herzlich zum Lachen.

Nicht nur die Hauptdarsteller (Philipp Elsesser als Algie und Max Prentner als John) zeigten eine tadellose Leistung, sondern auch die kleineren Rollen, so z. B. Carolin Kern als Lady Bracknell oder Katarina Pongrac als Miss Prism. Eine Darstellerin muss aber ganz speziell genannt werden, weil sie herausragte: Emilie Fayolle als Gwendolen Fairfax. Sie spielte mit solch verzückendem Augenaufschlag und bewunderswert prä-emanzipierter Weltsicht, dass es eine wahre Wonne war. Mal ganz überschwänglich fröhlich - im Moment des Heiratsantrags - mal an den eigenen Zweifeln über Johns wahrer Liebe verzweifelnd.

Frau Zrenner zeigte mit dieser Aufführung großes inszenatorisches Geschick, indem sie nicht nur sehr gut besetzte, sondern auch die Spielvorlage ausnutzte, um allen Beteiligten das Höchstmaß an Leistungsfähigkeit aus den Fingern zu kitzeln.

Somit bleibt als Fazit nur festzuhalten, dass die Schauspieler des KGA zeigen, dass es mittlerweile egal ist, ob sie auf Englisch oder auf Deutsch spielen: Es ist immer ein Genuss und Hingehen ist ein Muss!

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