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WR Chefsessel
14.04.2008 08.51 Uhr


Chef für einen Tag: Früh aufstehen, viel Verantwortung

Rotary-Aktion: Schüler des Kronberg-Gymnasiums schauen Führungskräften über die Schulter
Ein Chefarzttag beginnt schon um halb acht: Carolin Deller, Schülerin aus Glattbach, wundert sich. Gerade erläutert ihr Jörg Klepper, Leiter der Kinderklinik, seinen Tagesablauf. Rund 25 Prozent seiner Arbeit verbringt er mit Organisation und Verwaltung. Bei der vom Rotary Club ins Leben gerufenen Aktion "Schüler im Chefsessel" haben Kollegiaten des Leistungskurses Wirtschaft- und Recht des Kronberg-Gymnasiums Führungskräften über die Schulter geschaut.
 
23 Schüler waren Chef für einen Tag: Sie hospitierten in 14 Unternehmen - unter anderem in einem Architekturbüro, einer Bank, einer Druckerei, einer Fabrik. "Die Schüler sollen einen Einblick in die freie Wirtschaft bekommen", sagt Gerhard Ullrich, Kollegstufenbetreuer des Kronberg-Gymnasiums. Bei der Aktion, die der Berufsorientierung dient, spricht Rotary jedes Jahr ein anderes Gymnasium an. 

Wir sind hier wie Fußballtrainer. Welcher Spieler kriegt welche Position?

Dass ein Chefarzt so viel Zeit mit Verwaltung verbringt, hätte Carolin Deller nicht gedacht. Gerade besprechen Klepper und sein Kollege Christian Wieg, leitender Arzt der Neonatologie und Pädiatrischen Intensivmedizin, wie Mitarbeiter eingeteilt werden, wo Gesprächsbedarf besteht, welche Termine anstehen. "Wir sind hier wie Fußballtrainer. Welcher Spieler kriegt welche Position?", erklärt Wieg das Prinzip. Geschaut wird, welche Fähigkeiten welcher Mitarbeiter wo am besten einbringen kann.

Vor Klepper türmen sich Arztbriefe zu einem kleinen Papierberg. "Vieles, was ich hier gerade mache, sieht nicht besonders aus, hat aber eine große Bedeutung. Denn mit meiner Unterschrift übernehme ich die Verantwortung", erklärt er. Als Chefarzt muss er nicht nur jeden komplizierten Fall sehen, er unterschreibt auch jeden Arztbrief, sowie die Überstundenzettel seiner Mitarbeiter. Dann ist Zeit für die Chefvisite. Carolin schlüpft in einen weißen Kittel und begleitet Klepper auf die Station. Gemeinsam mit weiteren Ärzten besuchen sie jeden kleinen Patienten. Der Assistenzarzt stellt die Krankheitsgeschichte vor. Pascal Kürschner freut sich über so viel Besuch in seinem Zimmer. "Hallo, wer bist Du denn?", fragt Klepper freundlich und der 16 Monate alte Knirps lacht. Er darf heute mit seiner Mutter nachhause und winkt Carolin zu.

Vielseitiges im Main-Echo

Drei Mitschüler hospitieren im Main-Echo und erfahren von Geschäftsführer Ulrich Eymann, wie vielseitig die Arbeit in einem Verlagshaus ist. Sein Arbeitstag beginnt bereits beim Frühstück - mit der Zeitungslektüre. Später im Verlagshaus stellt er Marleen Mathiowetz, Michael Cazacu und Karolina Hurkacu das Main-Echo und die dazugehörigen Firmen vor. Die Schüler sind wissbegierig. "Warum haben Sie das Logo geändert?", fragt Marleen mit Blick auf das neue Gesicht der Zeitung. "Darf jeder dpa-Bilder abdrucken?", will die 18-Jährige auch wissen.

Der Tag als Chef im Main-Echo ist abwechslungsreich, die Schüler besuchen Vertrieb, Anzeigenabteilung, Technik, Controlling, Redaktion und den Top-Shop. Von Versandleiter Martin Sickenberger erfahren sie, dass Nacht für Nacht 600 Austräger unterwegs sind und ein Regencape zur Arbeitskleidung gehört. Reinhard Fresow, Leiter der Anzeigenabteilung, erklärt, wie sich die Zeitung finanziert. Marleen will wissen, wie viel eine ganzseitige Anzeige kostet. Fresow erzählt von Anzeigeneinbrüchen durch das Internet, betont aber, dass noch kein Medium ein anderes verdrängt hat. Karolina stimmt zu: "Zeitungen haben ein Comeback. Durch Internet und Fernsehen gab es eine Reizüberflutung. Jetzt lesen viele wieder lieber Zeitung."

In der Abendkonferenz der Regionalredaktion begutachten Marleen, Michael und Karolina die fertigen Seiten: "Es ist interessant, wie viele Menschen daran beteiligt sind, dass eine Zeitung entsteht."

Fee Berthold (Main-Echo vom 10.04.08)

 

Carolin Deller (18) aus Glattbach: 

"Das war ein spannender Tag! Ein Chefarzt übernimmt ganz schön viel Verantwortung für alle. Es hat mich überrascht, wie viel Zeit er mit Organisieren verbringt. An seinem Beruf gefällt mit, dass er mit Kindern umgehen kann und helfen kann. Kinderärztin möchte ich aber trotzdem nicht werden, das ist kein Sonnenscheinberuf."

Michael Cazacu (19) aus Aschaffenburg:

Die Anzeigenabteilung fand ich am spannendsten. Sie ist das Standbein der Zeitung, was einem vorher nicht so bewusst ist. Ich hätte auch nie gedacht, dass es so kompliziert ist, eine Zeitung zu gestalten, beispielsweise wo man was hinstellt und wie die Texte angepasst werden müssen. Dann muss man auf einmal sein bisheriges Konzept verändern.

Marleen Mathiowetz (18) Kleinwallstadt:

Mich hat überrascht, wie vielseitig das Verlagshaus ist. Ich hätte nie gedacht, dass eine Regionalzeitung so viel produziert. Ich habe viel gelernt. Im Controlling beispielsweise habe ich erfahren, dass freie Mitarbeiter für die Zeitung total wichtig sind. Am besten hat mir die Anzeigenabteilung gefallen. Später möchte ich vielleicht in dieser Richtung arbeiten.

Karolina Hurkacz (19) aus Sulzbach:

Es ist spannend, was eine Zeitung alles abdeckt. Im Top Shop geht es um Kopfschmerzen, im Main-Echo um Politik und Kultur. Toll finde ich, wie sich die Redakteure in der Abendkonferenz austauschen und sich Tipps geben, was sie verbessern können. Die Zusammenarbeit ist gut! Und das Arbeitsklima ist angenehm.


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