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D Theaterabo Felix Krull
17.01.2008 12.50 Uhr


Göttinger Inszenierung begeisterte die Schüler

Am 16.01.2008 besuchten 90 Schüler der neunten bis zwölften Jahrgangsstufe im Rahmen des Theaterabonnements, das am Kronberg-Gymnasium sehr gut angenommen wird (Jeder vierte Schüler macht mit), im Stadttheater eine Vorstellung des Stücks BEKENNTNISSE DES HOCHSTAPLERS FELIX KRULL von Thomas Mann. 

Rezension zweier Schülerinnen

Das war das beste Stück seit langem. Diesbezüglich waren wir uns alle einig, als wir das Theater verließen und uns gegenseitig die schönsten Passagen immer wieder rezitierten.

Besonders eindrucksvoll war das Bühnenbild, das dem Stück schon vor Beginn ein offenes und verwegenes Bild gab. Der Rückraum der Bühne war sichtbar. Das zeigte die Vielfalt und Farbenpracht der faszinierenden Requisiten und Kostüme und verschaffte allgemein einen sehr familiären Eindruck. Durch wenige kleine Umbauten, meist von den Schauspielern ins Spiel mit einbezogen, war der Fortgang der Handlung sehr gut verständlich, da der Spielfluss nicht gestört war und der Witz des Stückes zu keiner Zeit verloren ging. Zu diesem trugen die Schauspieler auch einen großen Teil bei. Trotz Mehrfachbesetzung wurden die Extravaganz und die Charakterzüge der Personen spritzig und lebensnah dargestellt. Durch das ausdrucksstarke Spiel waren wir als Zuschauer gefesselt und integriert.

Zu Anfang etwas befremdlich wirkte der Tontechniker, der unter dem offenen Baugerüst saß, das die Bühnengestaltung ausmachte. Diese Irritation löste sich allerdings bald wieder, weil der Techniker mit Gitarre, Keyboard und anderen Instrumenten, näher an den Schauspielern befindlich, deren Emotionen und Intentionen authentischer musikalisch untermalen konnte.

Ebenfalls bestaunenswert waren die Requisite und die Kostüme. An Reichhaltigkeit und bunten Farben war deren Zusammensetzung nicht zu übertreffen. Der rasche Wechsel der bunten umwerfenden Kostüme setzte jede Figur, selbst wenn der Schauspieler kurz zuvor noch einen anderen Charakter gemimt hatte, gut und glanzvoll in Szene.

Das Stück schien daraufhin angelegt, dass jeder es versteht. Sowohl der eingängliche Sprachstil als auch die Szenen auf Leinwand, die andernfalls schwer einzusehen gewesen wären, erleichterten das Verständnis und die Möglichkeit dem Geschehen zu folgen ungemein.

Dementsprechend gut war die Publikumsreaktion. Es gab viele Lacher und zu Recht reichhaltigen Applaus.         

Anneliese Hartlaub, Marleen Mathiowetz, Valentina Stenger

Inhalt 

Glücklich ist, wem die Vertreibung aus dem Paradies mehr gibt als nimmt: Aufgewachsen im lieblichen Rheingau und sowohl verwöhnt durch den familiären Reichtum als auch durch angeborene Talente, wird der junge Felix Krull nach dem Bankrott der väterlichen Firma in die raue Wirklichkeit gestoßen. Weit entfernt davon, sich von diesem Schock aus der Bahn werfen zu lassen, nimmt der nun mittellose junge Mann die Herausforderungen des Lebens gelassen an: Felix begreift das Leben als ein Spiel, das man gewinnt, wenn man den Zufall, die Sehnsüchte und Ängste anderer Menschen für sich arbeiten lässt. Der Erfolg gibt ihm Recht. Ehrgeiz und Liebe anderer Menschen führen ihn von Erfolg zu Erfolg.

Dem ungeliebten Militärdienst, der seinem Drang zu Höherem entgegensteht, entzieht sich Krull durch eine schauspielerische Meisterleistung. Danach beginnt eine steile Karriere als charmanter Krimineller. In Paris, wo er zunächst in einem Grand Hotel als Liftboy, schließlich auch als Oberkellner arbeitet, avanciert er vom umschwärmten Gigolo zum Gelegenheitsdieb. Alles, was Felix nun anfasst, wird zu Geld. Nichts und niemand kann den schönen Glücklichen aufhalten. Mit einem liebeskranken Adeligen, den seine Familie von einer unstandesgemäßen Liebesverbindung durch eine Weltreise abbringen will, tauscht Felix den Namen. In der Rolle des vermögenden Marquis de Venosta verkehrt er schließlich in den höchsten gesellschaftlichen Kreisen Lissabons. Er parliert mit dem König und beginnt eine Affäre mit der Tochter eines berühmten Gelehrten und gleichzeitig mit dessen Ehefrau. Der drohenden Katastrophe entzieht er sich durch Flucht nach Übersee.

Am Ende haben die praktische Intelligenz, Skrupellosigkeit und die körperliche Schönheit endgültig den Sieg über das Wahre und Gute davongetragen: Der Weg des fatalen Hoffnungsträgers, Lügners, Spielers und Liebhabers verliert sich irgendwo in einer goldenen Zukunft.

Thomas Manns 1954 erschienener Schelmenroman gehört zu den populärsten Büchern des Autors, obwohl es mitten in der Erzählung - quasi nach einem Cliffhanger - abbricht und den Fortgang der Handlung der Fantasie des Lesers anheimstellt. Die geplante Fortsetzung der fiktiven Autobiografie konnte Thomas Mann nicht mehr schreiben. Der Stoff wurde bereits mehrfach dramatisiert. Dem Kinofilm und der mehrteiligen Fernsehfassung wurde dabei jeweils ein neuer Schluss angefügt, um die Geschichte befriedigend abzurunden.

Joachim von Burchard verwendet als Grundlage seiner Inszenierung eine eigene Bearbeitung des Romans, die sich eng an die Vorlage anschließt, aber die episodenreiche Handlung dramatisch verdichtet und zuspitzt.

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