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G Kreativer Schreibwettbewerb im Geschichtsunterricht - Hexenverfolgung
27.05.2020 17.52 Uhr


Bis heute fasziniert und erschreckt uns die Zeit der Hexenverfolgungen in der frühen Neuzeit gleichermaßen und ist auch immer wieder Gegenstand von beliebten Historienromanen. Im Rahmen des Lernens zu Hause verfassten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 7c mithilfe der Informationen in einem kurzen Dokumentarvideo und dem Schulbuch Erlebnisgeschichten aus unterschiedlichlichsten Perspektiven und kürten die drei interessantesten Geschichten. Viel Spaß beim Lesen!

Franz Fischer


Aus der Sicht eines Henkers (von Greta)

Heute war ein langer Tag für mich. Mal wieder waren es viel zu viele Hexen, die gefoltert, getötet oder verbrannt werdrn mussten. Für die Leute ist das ein Spaß, sich das anzusehen. Aber es kann jeden treffen.... Er oder sie muss nur etwas anders sein oder gebildeter. Vorallem Frauen werden beschuldigt und ich kann nur hoffen dass es nicht meine kleine Tochter oder etwa meine Frau trifft. Ich kann nicht entkommen von dem endlosen Geschreie der schmerzerfüllten Leute oder etwa von dem Gelächter der Ankläger. Kaum ein Tag ist vergangen indem ich nicht davon in meinen Träumen verfolgt wurde.

Auch gestern hatte ich so einen Traum.... Mal wieder stand ich an dem vorbereitetem Holzstapel und wartete auf die angeblichen Hexen, um sie an den Mast anzubinden und sie von ihren Sünden zu befreien. Als sie jedoch ankam in den Händen von dieses zwei groben Männern, erkannte ich meine Tochter. Sie sah mich mit einem ekelerregendem Blick an und sagte: 'Verflucht seist du!' Sie wurde mir fast wie ein Gegenstand in die Hände geworfen. Sie sah mir in die Augen und für einen Moment schien alles gut zu sein. Ich vergass, dass sie gleich den schlimmsten Schmerz erleiden müsste und sie vermeintlich auch. Ich wollte sie umarmen, doch dann schrie der Ankläger: 'Wird's bald?' und ich zog meine Tochter mit mir an den Mast.

Es schien als könnte ich meinen Körper nicht beherrschen und ich stände unter einem Fluch. Ich band sie so fest dass sie aufschrie. Ich ging ein paar Meter weg, nahm das Feuer in die Hand und zündete den Holzstapel an. Sie war mitten drinnen. Sie kreischte und bettelte um Hilfe immer weiter und immer weiter.....

Dann wachte ich auf. Es schrie immer noch jemand. Wahrscheinlich eine Frau, die sie ins Verlies brachten, damit sie morgen verbrannt wird. Ich war so aufgebracht und rannte in das Zimmer meiner Tochter, um mich zu vergewissern, dass sie noch dort liegt. Sie schlief tief und fest, nichts Böses ahnend. Somit legte ich mich zurück ins Bett und fing einfach an zu weinen. Vielleicht war es vor Erleichterung, aber vielleicht vor Sorge um mein Kind.

Ich hatte lange nicht mehr geweint... Ewigkeiten war es her. Der Tag der Geburt meiner Tochter. Damals hatte ich vor Freude geweint. Heute nicht... Nach einiger Zeit wachte meine Frau auf und nahm mich in den Arm. Sie fragte oft was denn passiert war, doch ich sagte es ihr nicht. Ich hatte Angst vor ihrer Reaktion. Ich wusste genau, dass sie nicht wollte, dass meine Arbeit mir so zu schaffen macht. Möglicherweise würde sie mich auch aus dem Haus werfen, weil ich von Gewalt an ihrer Tochter geträumt hatte. Und nun ja, das konnte ich keinesfalls zulassen. Nicht weil ich die zwei immer sehen wollte, sondern weil ich wusste, dass man sie in meinen Händen nicht so schnell verdächtigt.

Seit gestern bin ich deshalb davon überzeugt, dass diese Albträume aufhören müssen. Aber ich kann nur hoffen, dass die Hexenverfolgung aufhört. Die Leute sind überzeugt davon, dass sie Sünden bringen. Die Hexen sind Schuld an Krankheiten, Seuchen oder Hungersnot. Nur so jemand wie ich weiß es besser. Nur mir flüstern die Leute ihr größtes Verlangen ins Ohr, bevor sie auf eine widerwärtige Art sterben. Ich habe gesehen wie Richter mit Geld bestochen wurden, Leute jemanden aus persönlichen Gründen anklagen und hunderte nein tausende unschuldige Leute verbrannt werden. Doch wenn ich etwas sage, bin ich der Schuldige, dann bin ich der verfluchte Hexer! Also bleibe ich für mich und meine Familie still....

 

Aus der Perspektive eines Anklägers (von Mika)

Wieder habe ich eine Hexe ihrer gerechten Strafe zugeführt. Nun können die Bewohner des Dorfes endlich ohne Angst schlafen. Ihre Kinder sind wieder in Sicherheit. Diese Hexe wird nun für ihre Sünden büßen.

Es war ein kalter Tag im Juni - viel zu kalt für diese Jahreszeit. Als die Angeklagte dem Richter vorgeführt wurde, ging ein Raunen durch die Zuschauer. Viel zu lange schon hatten sie unter dieser sündigen Person gelitten: Ernten waren verdorben, Kinder starben in ihren ersten Lebensmonaten, Männern wurde der Kopf verdreht. Als der Richter mich bat ihm zu erklären was geschehen ist, rief ich meinen Hauptzeugen auf. Eine alte Frau, ein guter Christenmensch, die im Wald Kräuter sammelte als sie sah wie die Hexe nackt um ein Feuer tanzte. Als mir die Alte davon berichtete, wusste ich sofort, dass was faul war. Ich meine die Winter werden länger oder es wird immer kälter, wir leben in eine Krise, das kann doch kein Zufall sein? Und wisst ihr, warum es so ist? Weil solche Hexen wie diese, die Werkzeuge des Teufels, Flüche und Unheil in diese Welt bringen. Diese Hexen wollen uns alle töten, unsere Kinder essen und die Welt zerstören. WIR müssen was dagegen tun. Wir sind nicht das Problem, sondern diese Sünder! 

Das alles sagte ich dem Richter. Auch habe ich noch mehr Zeugen gefunden, die die Geschichte der Alten bestätigten. Die Sünderin konnte kein Wort zu ihrer Verteidigung vorbringen. Vermutlich hatte der Folterknecht ihr bereits die lügenhafte Zunge abgeschnitten. Elendiges Weibsbild. Ich bin stolz, die Welt wieder etwas sicherer gemacht zu haben


“Der Totengräber und die Pest” (von Arthur)

auf Basis von https://www.hexenprozesse-leipzig.de/?p=116

Prolog

Durch die Straßen des verlassenen Leipzig zu gehen war für Martin nichts neues. Was aber an jenem dunklen Tag anders war, ist, dass er dabei nicht immer auf der Flucht vor der Pest war - oder zumindest vor dem, der die Leute mit Pestzaubern belegte. Er rannte um die Ecke Richtung Kirche, um darum zu bitten, den Hexer und seinen Gehilfen, Bastian Mühlberg, zu “entsorgen”. Doch schon als er in der nächsten Gasse stand und die schwarze Gestalt sah, die sich deutlich von dem Haus hinter ihr abhob, wusste er, dass er es nie zur Kirche schaffen wird. Dass er nie wieder etwas schaffen wird, denn vor ihm stand der Tod.

Kapitel eins

Christoph Müller ist ein nicht wirklich reicher Mann. Dass wusste er selber, aber in letzter Zeit bekam er mehr Aufträge. Irgendeine Krankheit ging in Groß-Zschocher um. Was er jedoch nicht verstand war warum ihn alle seltsam ansahen, wenn er einkaufen ging. “Als hätte ich Martin verschleppt und irgendwo verbuddelt”, dachte sich Christoph als er einen weiteren Sarg eines Erkrankten in ein Loch abließ. Doch auch wenn er nach außen gelassen wirkte, machten ihn die Blicke unruhig. Das ständige Gefühl verfolgt zu werden, dass man keine Luft mehr kriegt, weil immer Augen in der Nähe sind. Sie sind da, das merkte Christoph doch, wenn er sich umdreht war niemand da. “Die Leute tuscheln”, meinte Bastian, der einzige, der ihm treu geblieben ist. Doch selbst ihm hatte Christoph nicht erzählt warum ihn das alles so einschüchterte: Er war Totengräber. Er war für den Teufel ein Leckerbissen, dachten zumindest die Einwohner von Leipzig. Das machte ihm so Sorgen. Er wollte nicht enden wie Abdecker Peter oder Margaretha **ecker. Als Hexer begraben, gerädert oder wer weiß was sich die Obrigkeit einfallen lässt. Er wollte nicht sterben, noch nicht jetzt.

Kapitel zwei

“Verwendet wurde dafür der Staupe-Besen, ein Bündel z.B. aus Birkenzweigen (Staupe), in das zur besonderen Verschärfung mitunter scharfkantige Metallsplitter oder Steine eingearbeitet sein konnten. Möglich waren auch Lederriemen oder Leder-Peitsche.” Teil des Leipziger Hexentests.

 

Kapitel drei

Der Tag neigte sich dem Ende zu und die Sonne des späten Augusts schickte rot und orange Töne über den erblassenden Himmel wie die Feuer die in der Ferne aufgeschichtet wurden. Das tiefe Lila das wie ein Lavendelfeld am Himmel lag war still und sah zu wie die Menschen nach Hause gingen um Ruhe zu suchen. Für Christoph war das anders, jetzt gingen die Sorgen erst los. “ Jeden Moment sind sie da!”, doch sie kamen nie. Das warum interessierte Christoph nicht mehr. Er hatte nur noch Todesangst. Doch das war alles nicht neu für ihn. Er machte das jetzt jeden Abend durch - seit zwei Wochen. 

Plötzlich geht die Hölle los! Zwei Männer springen durch das Fenster, drei treten die Tür ein. Ein Schlag - dann wird alles schwarz.

Kapitel vier

 Weisheit ist nicht allzeit der Gerechtigkeit Freund und Beistand.

Durch den Nebel dringt eine Stimme: “ Wacht der endlich auf?”. Er kannte sie nicht, aber sie war da. Christoph wälzte sich aus dem Boden und stöhnte vor Schmerzen. Sein Körper zuckte und krampfte sich zusammen. Drei Männer waren da, aber es konnten auch vier sein. Er wusste es nicht denn überall waren Sterne, die durch sein Gesichtsfeld rasten. Der größte kam auf ihn zu und trat ihm ins Gesicht, sodass die Nase brach. Zuerst sah er den Mann nur an. Dann kamen die Schmerzen. Sie waren erwartet, und doch war es ein Schock. Es pikste und stach und es schmerzte und er bekam fast keine Luft mehr. Der Mann schrie ihn an, er sollte die Morde gestehen.
Dann wurde Christoph in Ketten in einen Raum gebracht. Ich musste zusehen, wie sie so taten als würde ich andere anklagen, und sie schrieben Leute auf, die ihnen nicht passten.  
Dann wurde Bastian in den Raum geführt. Christoph schrie, er schrie wie er noch geschrien hatte. Alles wurde ihm genommen. Haus, Frau, Kinder, Freunde und Arbeit. Bald auch das Leben, das stand fest. Sie wurden weitergezerrt, wir schrieen, heulten und bettelten, doch sie wurden ohne Regung weitergezogen. Der letzte Raum war prunkvoll, dort war er- der Schöffenstuhl. Sie bekamen fast nichts mit, wir wurden immer wieder mit der Staupe geschlagen. An ihren Rücken war die Haut schon längst gerissen und an ihren Füssen breitete sich eine Blutlache aus.

Das Endurteil des Schöffenstuhl Leipzigs für Christoph Müller und Bastian Mühlberg lautete: fünfmal Reißen mit glühenden Zangen, Tod durch Rädern, vollstreckt am 23.09.1582.

23.09.1582. Das war ihr Todesdatum. Eines wusste Christoph noch, dass er Glück hatte. Glück, dass er fast bewusstlos war. Dann wurde alles dunkel und die Welt verabschiedete sich von ihm.

Epilog

Wir können nicht viel mehr tuen, als uns zu erinnern und darauf achten das so etwas nie wieder passiert. Zu viele Menschen mussten unter der Hexenverfolgung leiden. An häufigsten Frauen, aber auch Männer. Doch nicht nur die Menschen haben gelitten, die gestorben sind, sondern auch ihre Angehörigen. Deswegen möchte ich mit dieser Geschichte und mit diesem Epilog/Nachwort noch einmal an all jene erinnern, die damals gestorben sind. Doch nicht nur an Altes möchte ich erinnern, denn es ist geschehen und wir können es nicht mehr Gut machen. Nein, ich will auch all jenen Mut machen, die in letzter Zeit einen Geliebten Menschen verloren haben. Da ich nicht selber die passenden Worte finde möchte ich dies anderen überlassen, die selbst nicht mehr leben, denn ich denke, dass sie die besseren Worte Gefunden haben, die Tiefer reichen, als ich es je tuen könnte!

 Death must be so beautiful.

To lie in the soft brown earth,

with the grasses waving above one’s head,

and listen to silence.

To have no yesterday, and no tomorrow,

to forget time, to forgive life,

to be at peace.

Oscar Wilde

 

Steh nicht am Grab mit verweintem Gesicht
ich bin da – ich schlafe nicht.
Ich bin im Wind, der weht über die See,
ich bin das Glitzern im weissen Schnee.
Ich bin die Sonne auf reifender Saat,
ich bin im Herbst in der goldenen Mahd.
Wenn Du erwachst im Morgenschein,
werde ich immer um Dich sein.
Bin im Kreisen der Vögel am Himmelszelt,
ich bin der Stern, der die Nacht erhellt.
Steh nicht am Grab in verzweifelter Not,
ich bin nicht da – ich bin nicht tot!

Irisches Grabgedicht


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