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Thekla Schuhkartonbühne
20.02.2018 21.20 Uhr


Fräulein Kunigunds Handschuh, also eigentlich ist es ja Friedrich Schillers „Der Handschuh“, und was sie damit so anstellt, das beschäftigte die Thekla 5 im Rahmen eines Projekts.

Fräulein Kunigund mitsamt ihres Ritters Delorges und natürlich sämtlicher Raubkatzen auf die Bühne zu bringen, das war das Ziel. Bühne sollte es eine besondere sein, nämlich eine Schuhkartonbühne. Die Ballade „Der Handschuh“ und das Format der Bühne, das waren die einzigen Vorgaben, die die Schülerinnen und Schüler erhielten.

Zu Beginn wurden Rollenbiographien zu den einzelnen Figuren entwickelt, um den Charakter zu erarbeiten. Ob Kunigund wohl ein „liebreizendes Burgfräulein“, eine „Tussi“  oder gar eine „Zicke“ ist? Und ist es wahrer Mut, den Ritter Delorges bei der Errettung des Handschuhs aus dem Raubtierkäfig beweist, oder eher Dummheit? Wie ist zu bewerten, dass der Ritter das Fräulein am Ende abblitzen lässt? Es wurde heftig diskutiert und so erwachten die Figuren in den Köpfen der Kinder schon zum Leben.  Aufgrund dieser Überlegungen fertigten die Schüler Figuren an, die später an Stäben befestigt auf der noch nicht existenten Bühne agieren sollten. An Glitzerstaub für Fräulein Kunigunds Gewand wurde nicht gespart.

Die Bühne sollte im nächsten Schritt gestaltet werden. Aber wie? In Partnerarbeit wurde geschnitten, geklebt und diskutiert. Ein Vorhang dürfe nicht fehlen, wie solle der Zwinger der Raubtiere gestaltet werden, so dass diese im Laufe des Stücks freigelassen werden können usw.? Die Tatsache, dass es von Vorteil ist, eine Bühne mit mehreren Ebenen auszustatten, kam ebenso zum Tragen, wie das Finden der passenden Farbe von Hintergrund zu Kulisse und Requisiten.

Als Figuren und Bühne fertig waren, standen die Bühnenbauer vor dem nächsten, ganz anderen Problem. Sie hatten einen lyrischen Text vor sich liegen, keinen dramatischen. Also mussten sie aus der Ballade ein Theaterstück machen, mit allem was dazu gehört. Dialoge wurden entwickelt, Regieanweisungen geschrieben. Hier wurden die Interpretationsspielräume, die die Ballade lässt, offensichtlich. Die Kinder füllten diese Lücken mit Hilfe ihrer Fantasie und machten dadurch aus Friedrich Schillers „Handschuh“ ihren „Handschuh“.

Am Ende stand die ganz große Premiere der einzelnen Stücke. Alle Dramaturgen führten ihr Stück, bei dem sie von der Figurengestaltung, über den Bühnen- und Kulissenbau und die Dialoge alles selbst gemacht hatten, unter großem Applaus der Gruppe auf.

Die intensive Arbeit mit dem literarischen Text und die Erkenntnis, was es alles braucht und wie viele Gedanken gedacht werden müssen, bis dieser auf einer Bühne stattfinden kann, brachte die theaterbegeisterten Fünftklässler ihrem Thema „Theater“ wieder ein Stück näher.

 

Katharina Baumann für die Thekla 5


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