Griechisch

Fachprofil


1. „Cassius: Did Cicero say anything?

        Casca: Ay, he spoke Greek.”                                                                (Shakespeare, Julius Caesar I 2, 277f.)         

 

  • Die Besonderheiten des Griechischen und der ihm eigenen Didaktik bedingen bestimmte Lern- und Arbeitstechniken, die im Griechischunterricht intensiv eingeübt werden und die für Schule und Leben grundlegend sind: So trainiert Griechisch analytisches und kombinatorisches Denken, fördert Ausdauer und Konzentration, erzieht zu Genauigkeit im Detail und systematischem Vorgehen, schult  Gedächtnis, Abstraktionsvermögen und die Fähigkeit, selbständig und einfallsreich neuartige und komplexe Aufgaben zu lösen.
  • Der Formenreichtum der griechischen Sprache regt besonders dazu an, eigene Lernstrategien zu entwickeln, also das Lernen zu lernen.
  • Die intensive Sprachbetrachtung und das beständige Übersetzen entwickeln ein ausgeprägtes Sprachbewusstsein, fördern die Lesekompetenz und führen zu einem besseren Verständnis und sichereren Gebrauch der Muttersprache.
  • Die auf Ordnung und Systematik angelegte Vermittlung der griechischen Grammatik erzeugt ein modellhaftes Verständnis für das Funktionieren von Sprache. Griechischkenntnisse sind eine sehr gute Grundlage für das Erlernen des Neugriechischen.

 

2. „Wer Griechisch lernt, erwirbt die Kenntnis der Muttersprache der europäischen Dichtung, Wissenschaft,  Philosophie. Auch, was sonderbarer Weise manchmal vergessen wird, der Sprache des Neuen Testaments.“

                                                                                                                                                (Albert von Schirnding)

 

  • Wer Griechisch lernt, lernt mehr als nur eine weitere Sprache. Der Griechischunterricht ist als Lektüreunterricht konzipiert. Die Beschäftigung mit originalsprachlichen Texten eröffnet einen direkten Zugang zu den Ursprüngen der unsere Kultur bestimmenden geistigen und kulturellen Traditionen und zu den zahllosen Zeugnissen, die Ausgangs- und Bezugspunkt der abendländischen Kunst, Literatur und Musik sind. Dieser direkte Zugang erfolgt aber nicht nur über Texte, sondern auch über eine regelmäßige Studienfahrt zu bedeutenden Stätten der griechischen Antike.
  • Die Erschließung zahlreicher griechischer Mythen und die Auseinandersetzung mit den wirkungsmächtigsten Gedanken der griechischen Philosophie bilden einen Schwerpunkt des Unterrichts. Dabei kann beobachtet werden, wie die von natürlichen Ursachen ausgehenden Welterklärungsmodelle der griechischen Philosophen zunehmend in Konkurrenz zu mythisch geprägten Weltdeutungsversuchen treten und der Form von Rationalität zur Geltung verhelfen, auf der sich jede Wissenschaft gründet. 
  • Das antike Griechenland darf sich mit Recht Geburtsstätte der Demokratie nennen. Die sich auf Originalquellen stützende Betrachtung ihrer Entstehung beschenkt nicht nur mit Einsichten in die Stärken und Schwächen der athenischen Demokratie, sondern schärft auch den Blick auf gegenwärtige politische Gebilde, die man gewohnheitsmäßig als Demokratie bezeichnet.
  • Die im Gewebe unserer Kultur vorhandenen „griechischen“ Muster sind so ausgeprägt, dass ihre gründliche Kenntnis nicht nur geistige und kulturelle Orientierung ermöglicht, sondern auch eine nie versiegende Quelle der Anregung bei der Suche nach Neuem ist, denn: „erfinden heißt sich erinnern“ (Paul Valéry).

 

3. „Um den Himmel zu betrachten.“ (Pythagoras auf die Frage, wozu der Mensch eigentlich auf der Welt sei.)

 

  • Die Neigung der griechischen Philosophen, unter den menschlichen Geschäften der nachdenkenden Betrachtung den ersten Rang zuzuweisen und von Anfang an grundsätzliche Fragen zu stellen, wirkt vorbildhaft, ermutigt zu eigenem Denken und mindert so die Gefahr, unbedacht den Einflüsterungen von Meinungsmachern und Welterklärern zu folgen.
  • Durch die intensive Auseinandersetzung mit existenziellen Grundfragen, die in den herausragenden Werken der griechischen Philosophie und Literatur immer wieder gestellt werden, wächst früh das Gespür für die Macht und die Ohnmacht des Menschen und die Ambivalenz seines Handelns.
  • Ein Wesenszug des griechischen Denkens ist die Suche nach Modellen eines vernunftorientierten, gelingenden Lebens sowie die Betonung der „Sorge für die Seele“ und der „Selbsterkenntnis“, denen grundlegende Bedeutung beigemessen wird. Daseinsglück nicht in erster Linie über die Beherrschung der Außenwelt, wie es für die Moderne typisch ist, sondern über die Beherrschung der Innenwelt anzustreben, ist ein Konzept, das wegen seines aufreizenden Kontrasts zu gegenwärtig vorherrschenden Auffassungen besonders dazu anregt, eine eigene Position zu entwickeln. Im übrigen gilt: „Man widerlegt nur, was man erklärt hat.“ (Theodor Gomperz)

Durch das Fach Griechisch, das am Kronberg-Gymnasium in der Regel durchgehend von Klasse 8-12 unterrichtet wird, erfüllt unsere Schule die Berechtigung, in ihrer Selbstbezeichnung als sprachlich-humanistisches Gymnasium das Attribut humanistisch zu verwenden.

 

 

M. Gatzmaga, Fachbetreuer Latein und Griechisch

 

 

Das ausführliche Fachprofil und den Fachlehrplan geordnet nach Jahrgangsstufen findet man beim Staatsinstitut für Bildungsforschung (ISB).


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